27. September 2017

FKK mit Individualbetreuung

Letzten Samstag haben Laura und ich den kleinsten Filzkopfkurs unserer mittlerweile dreijährigen Filzkopfkursgeschichte gegeben. Drei Teilnehmerinnen waren dabei, dazu wir zwei, das machte fünf Frauen an unserem Werkeltisch im Theater am Schlachthof, einer kleinen Off-Bühne in der Hausburgstraße im Berliner Friedrichshain. Obwohl bei einer solchen Runde finanziell nicht viel für uns herumkommt, waren wir uns einig, dass wir es machen wollten. Wichtig war uns nur, dass mehr Teilnehmerinnen als Profis (was genau genommen ich im Umgang mit der Filznadel eigentlich gar nicht bin) am Tisch sitzen. Ehrlich gesagt habe ich ein bisschen länger überlegt als Laura, weil ich immer alles drei Mal abwäge und genau durchrechne. Am Ende habe ich aber auf mein Bauchgefühl gehört und das wünschte sich von Herzen einen schönen Tag mit Laura und unseren drei filzabenteuerlustigen Frauen.

Ich unterrichte sehr, sehr gern und freue mich auf jeden einzelnen Kurs. Das Handwerk meines Herzens mit anderen Menschen zu teilen, gehört mit zum Schönsten, was meine Arbeit ausmacht. Je kleiner so ein Kurs ist, desto intensiver ist natürlich der Austausch. Laura und ich konnten uns in den achteinhalb Stunden am Samstag ausgiebig um unsere Teilnehmerinnen kümmern, Tipps und Tricks teilen und auch mal selbst Hand anlegen, so dass am Ende drei bemerkenswert schöne Filzköpfe entstanden waren, trotz dass wir wie immer zwischendurch auch insgeheim gezweifelt und Schnappatmung bekommen haben ob der unförmigen Gebilde, die einen in so einem Kurs zum Kennenlernen und Üben einer neuen Technik zwischenzeitlich anschauen. Dabei lernen nicht nur die Frauen sondern auch wir Kursleiterinnen eine ganze Menge. Schließlich sind wir keine supergeübten Filzkopfmacherinnen und haben uns beide mehr den einfachen Puppen verschrieben. Sobald wir aber zu Wolle und Nadel greifen, geschieht es auch um uns, der Filzwahn ergreift uns und lässt uns nicht wieder los, bis der Rücken buckelt, die Schultern schmerzen, die geprickelte Wolle vor unseren Augen zu einer Schneelandschaft verschwimmt und unsere Rischrischrisch-Trance zu den gewünschten Formen führt.

Puppenköpfe zu filzen macht unglaublich viel Spaß. Man lernt dabei viel über Physiognomie, die Erscheinung von Köpfen und den Aufbau von Gesichtern und darüber, was man an Puppen, anderen Menschen und sich selbst schön findet. Die Möglichkeiten sind unendlich und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken und auszuprobieren.

Die meisten Frauen, die zu uns kommen, haben schon Erfahrungen im Puppenmachen. Darüber wird sich fröhlich plaudernd ausgetauscht und auf höchstem und lustigstem Niveau gefachsimpelt. (Wobei Laura und ich immer wieder feststellen müssen, dass wir uns bei weitem nicht so gut in der Szene auskennen wie unsere Teilnehmerinnen.) Die Frauen bringen immer auch ein Stück ihrer Welt mit in den Kurs. Das schafft Nähe, vor allem an so einem kleinen Tisch. Man fühlt sich gut aufgehoben, unter Gleichgesinnten. Das hören wir immer wieder und das verraten auch die leuchtenden Augen und rotgefreuten Wangen. Und das stimmt natürlich auch Laura und mich sehr froh. Dann macht es auch keinen großen Unterschied, ob wir nun drei oder sieben Teilnehmerinnen haben oder ob wir uns ein großes oder eher schmales Honorar auszahlen können. Das Glück, einen kreativ Tag in Gemeinschaft im kleinsten Theater der Welt zu verbringen, mit einer lieben Freundin als Co-Kursleiterin, schönstem Spätsommersonnenschein und Kastanienglanz und Menschen, die einander ihr großes puppennähverliebtes Herz öffnen, ist unendlich wertvoll und und bezahlbar.

Mehr zu unserem Filzkopfpuppenprojekt findet ihr hier, das Charlie Bo E-Book zur Herstellung unserer Filzkopfpuppe hier. Die Termine für die Kurse in 2018 stehen auch schon fest, sie finden am 30. Juni und 22. September statt. Außerdem veranstalten Laura und ich vom 23. bis 27. Mail wieder unsere Landpartie für Puppennähverliebte. Anmeldung an hello@mariengold.net.

Laura gibt dieses Jahr auch noch zwei eigene Puppennähkurse, einen zweitägigen am Wochenende 7. und 8. Oktober und einen eintägigen am Samstag, den 11. November. Alle Informationen dazu bei 1000 Rehe.


18. September 2017

Fundstücke #16

1 Zeichnen und Puppenmachen gehen gut zusammen. Wie das eine das andere inspirieren kann, davon erzählt Kukalka hier.

2 Manchmal sind Puppenteile so schmal und fitzelig, dass man sich ein Wunderwerkzeug zum Wenden wünscht. Mit dem Wende-Set von Prym hätte ich beim Nähen meiner Jess Brown Rag Doll letzten Sommer ganz bestimmt nicht so viel geflucht.

3 Wenn der Herbst kommt, brauchen die Puppen warme Stiefelchen aus Wolle. Wie es geht, zeigt Laura von 1000 Rehe in diesem Video.

4 DIN-Normen für Spielzeugsicherheit? Maike von Feinslieb, Autorin des CE-Handbuchs, erklärt hier ganz ausführlich, was es damit auf sich hat.

5 Okka schreibt am schönsten. In diesem Text erzählt sie von der großen Liebe zwischen Tochter Fanny und Teddy Salut. (Er darf sogar die Kleider von Fannys Puppe Lotte tragen, die wir zusammen genäht haben.)

6 Bringt mich so zum Schmunzeln: „Perfect for dolls, trucks or any treasures your little one may carry around as their baby“, steht es geschrieben in diesem DIY für einen Puppentrage-Sling.

7 Pippi Langstrumpf ist wahrscheinlich die Figur von Astrid Lindgren, die am häufigsten von Puppenmacherinnen nachgestaltet wird. Was wir von Pippi lernen können? Hier entlang.

Das Internet ist voller schöner Dinge und guter Ideen. Wenn ihr Vorschläge und Links für die Reihe habt, schreibt gern an hello@mariengold.net. Weitere Fundstücke findet ihr hier.

(Disclaimer: Aufgrund der derzeitigen Rechtslage, die schon das bloße Nennen von Marken und Verlinken von Produkten, Marken, Menschen, Orten usw. als Werbung einstuft, kennzeichne ich diesen Beitrag als einen mit WERBLICHEN INHALTEN. Dennoch gilt: Wenn ich hier etwas oder jemanden benenne und als gut befinde, geschieht das als persönliche Empfehlung und im Rahmen meiner redaktionellen Themenauswahl. Alle hier gesetzten Links sind ein kostenloser Service von mir – unbezahlt und unaufgefordert. Alle hier genannten Produkte sind selbst gekauft. Bezahlte Kooperationen, sollte es sie jemals auf meinem Blog geben, würden immer ganz eindeutig als solche gekennzeichnet werden.)


14. September 2017

Aus meiner Puppenreparaturwerkstatt: Susi

Anfang Mai erhielt ich ein verzweifeltes E-Mail mit dem Betreff „Puppen-Sorgen“. Darin erzählte mir eine Kundin, ihr kleiner Sohn hätte ihre erste eigene Puppe geerbt und ganz innig in sein Herz geschlossen. Leider aber wäre Susi, so der Name der Puppe, mittlerweile ganz zerliebt und abgekuschelt und statt eines Gesichtes hätte sie ein großes Loch. Die Puppenärztin, die sie aufgesucht hatte, hätte ihr nicht helfen können und jetzt wolle sie selbst versuchen, die Puppe wieder in Ordnung zu bringen. Ob ich ihr mit einem Stück Stoff weiterhelfen könne?

Ich konnte sogar noch mehr für sie tun und habe die komplette Reparatur übernommen. Es war zwar aufwendiger als gedacht, aber es hat sich gelohnt. Die Puppe hat ein zweites Leben bekommen und meine Kundin und ihr Sohn waren überglücklich. Obendrein hat die Oma, also die Mama der Kundin, für ihr zweites Enkelkind, das im Herbst geboren wird, eine weitere Puppe nach dem Vorbild von Susi bei mir in Auftrag gegeben. Klingt nach großer Puppenliebe und viel Spielfreude.

Alle Details zu meinem Reparaturangebot findet ihr hier, weitere Beiträge zum Thema hier.


6. September 2017

PuppenMITmacherei 2017: Vorbereitungen & Herstellung von Kopf und Körper

Hello and welcome to the third meeting of the PuppenMITmacherei 2017, a doll making initiative by NATURKINDER and Mariengold. Due to my long summer break in Ticino in Sitzerland, I skipped the date in August. But here I am, back with two articles in one, namely about the preparations and first working steps. Over the next few months I hope to finish a special project which is very dear to my heart and which I already started in summer 2009 when a attended a carving workshop for professional puppeteers where I made a lovely wooden doll head. Five years later my friend Maarit, who I got to know there, made me suitable hands and feet and now it is finally about time to complete this beauty. I am looking very much forward to it and hope you come along with me on this journey. An online translator can be found here, more details about the initiative here. If you take part in the PuppenMITmacherei and write about it on your blog or social media, don’t forget to link your article at NATURKINDER today. Our social media hashtag is #puppenmitmacherei. Caro and I wish you great joy in starting your project!

Herzlich Willkommen beim dritten Treffen der PuppenMITmacherei 2017 von NATURKINDER und Mariengold!

Für mich ist es wieder erst der zweite Termin, denn auch in diesem Jahr habe ich eine lange Auszeit genommen, habe Ferien im Tessin gemacht und anschließend vier Wochen nach Lust und Laune und ohne Bloggen und Termine in meinem Atelier gearbeitet, halbe Tage nur, denn der Sommer in Berlin frohlockte mit Eiscreme und Kiezspaziergängen, vertrödelten Nachmittagen im Café und langen Nächten mit Freunden, Feuer im Garten und einem großen Bücherstapel. Bei der PuppenMITmacherei im August habe ich natürlich auch vorbeigeschaut und mich riesig gefreut, dass es trotz Ferien viel Schönes zu sehen gab.

Jetzt bin ich zurück von meiner Sommerpause und erzähle euch in einem Doppelbeitrag von meinem Vorhaben in diesem Jahr.

Wenn ihr bei der PuppenMITmacherei dabei seid und auf eurem Blog oder in den sozialen Medien darüber berichtet, denkt bitte daran, eure Beiträge zum heutigen Thema bei NATURKINDER zu verlinken. Unser Hashtag für die sozialen Netzwerke lautet #puppenmitmacherei.

Vorbereitungen

In der diesjährigen PuppenMITmacherei möchte ich mich einem Projekt widmen, das mir sehr am Herzen liegt und das ich bereits vor acht Jahren begonnen habe, als ich einen Schnitzworkshop auf Hof Lebherz in Warmsen besuchte, bei dem ich unter Anleitung des Holzbildhauers und Ausstatters für das Figurentheater Jürgen Maaßen einen Holzkopf angefertigte. Ich weiß noch genau, wie ich damals schwitzte und stöhnte und schon nach kurzer Zeit wusste, dass ich Holz zwar sehr, sehr mag, mit diesem Material aber wahrscheinlich niemals so vertraut werden würde wie mit textilen Werkstoffen, und sich mein damaliger Wunsch, in Zukunft auch Puppen mit Köpfen aus Holz anzufertigen, wohl nicht erfüllen würde.

Zum Glück ging mir damals Maarit Kreuzinger zur Hand, ebenfalls Holzbildhauerin und damalige Assistentin des Kursleiters, die ich bereits vom Sehen aus Berlin kannte und die mir auf Hof Lebherz schließlich zur Freundin wurde. Mein Holzköpfchen trägt ganz eindeutig ihre Handschrift und es ist mir sicher auch deshalb so sehr ans Herz gewachsen, weil es mich trotz aller Anstrengung und auch Ernüchterung an vier wunderbare Sommertage mit Schnitzeisen und Klöppel, die wilde Schönheit des Veranstaltungsortes, das Eintauchen in die faszinierende Welt der Figurenbauerei und den Zauber des Beginns einer neuen Freundschaft erinnert.

Trotzdem blieb es jahrelang nur bei dem Köpfchen. Wie einen Schatz hütete ich es, holte es regelmäßig hervor, strich mit den Händen über das Holz, spürte mit meinen Fingern den Formen nach und bewunderte die Kunstfertigkeit, die darin steckt. Ich sehe darin natürlich sehr Maarit und die Arbeiten, die ich von ihr kenne. Aber ich entdecke auch etwas von mir, sehe Anmut, Gelassenheit, Freiheit. Ich sehe den Teil von mir, der im Kern stark und gefestigt ist und der dem Leben mit einer Poesie des liebevollen Blickes begegnet, auch und gerade in den größten Stürmen.

Fünf Jahre nach dem Workshop schnitzte mir Maarit ein Paar Hände und Füße für mein Holzköpfchen an. Wieder diese Kunstfertigkeit, die Füße wahre Handschmeichler. In dieser Zeit begann ich auch, Stoffe und Ideen zu sammeln, um irgendwann aus den einzelnen Teilen eine ganze Puppe werden zu lassen. Da sind zum Beispiel ausrangierte Kleider von mir, handbedruckter Stoff, der einmal bei einem Werktreffen von 8Hände in Julias Garten entstanden ist, ein dicker Strang Sisal aus Maarits Werkstatt und der Satz „Alles ist gold.“, mein Mantra, meine Kraftworte. Das alles möchte ich zusammenfügen in den kommenden Wochen und Monaten.

Was ich dafür brauche, wird sich finden. Was jetzt noch offen ist, wird sich auf das Beste fügen.

Herstellung von Kopf und Körper

Fünf fertige Teile brachte ich also bereits mit. Diese wollte ich mit vertrauten textilen Materialien und Techniken miteinander verbinden. Um es mir leicht zu machen, habe ich Schnittmuster verwendet, die ich bereits kannte und die ich mit ein paar kleinen Änderungen perfekt an mein Vorhaben anpassen konnte. Der Rumpf stammt von der 1000-Rehe-Puppe von meiner Freundin Laura, der Rest von Mariengold.

Damit die Puppe später frei sitzen kann, habe ich ihren Bauch mit Granulat gefüllt, so dass sie ein gutes Gewicht hat. Die Glieder habe ich nur mit Wolle gestopft.

Die größte Herausforderung bestand darin, den Kopf am Rumpf zu befestigen und nach Möglichkeit Öffnungen für die Ärme und Beine zu lassen, so dass diese von Hand oder mit der Maschine eingenäht werden können. Das ist mir leider nicht gelungen, so dass ich mich für einen anderen Weg entschied und den Rumpf nach dem Füllen schloss und die Glieder von außen fixierte.

Ganz so schnell ging es allerdings nicht, denn tatsächlich musste ich an dieser Stelle einen ungeplanten Zwischenschritt einlegen und die Arme und Beine an den Gelenken mit einem Stück Trikotstoff noch etwas verlängern. Denn ich wollte nicht, dass die Glieder steif abstehen, sondern richtig schön schlenkern, damit die Puppe gut positioniert werden kann.

Darin übt sie sich jetzt auch schon wie eine Weltmeisterin (das Szenario ist ein bisschen wie bei Pinocchio), während ich bereits Ideen und Materialien für die nächsten Arbeitsschritte sammle.

Wie es weitergeht

Das nächste Online-Treffen findet am Mittwoch, den 4. Oktober statt. Dann geht es um die Gestaltung von Gesicht, Haaren und Details. Dieser Termin ist jedes Jahr etwas ganz Besonderes, weil sich dann schon sehr schön die Persönlichkeit der Puppen zeigt. Caro und ich freuen uns darauf.

Mehr zur PuppenMITmacherei findet ihr hier.


28. August 2017

Mit Mariengold gemacht #7

1 Dieser Rotschopft ist weit gereist: Er wurde in Berlin mit dem Baby Twink E-Book gemacht und in Südafrika mit dem Oh Girl! E-Book eingekleidet.

2 Andrea ist schon seit vielen Jahren Stammkundin von Mariengold und hat schon einige Puppen nach meinen Entwürfen angefertigt. Jetzt hat sie mir endlich einmal eins ihrer Goldstücke gezeigt.

3 Vor vier Jahren haben meine Lieblingsbloggerin Okka und ich eine Puppe für ihre Tochter Fanny genäht. Neulich schrieb sie mir, dass Lotte, die Puppe, immer noch sehr geliebt wird.

4 Diese Puppe wurde von ihrer kleinen Mama auf den einzigartigen Namen Mulinak getauft.

5 Rena war vor zwei Jahren bei mir im Kurs. Mit der farbig gedruckten Broschüre des Baby Twink E-Books, die alle meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten, hat sie jetzt für ihre Puppe von damals noch eine Schwester genäht.

6 Auch Jungs lieben Puppen. So wie Samson, der seine Puppe sogar mit ins Bett nimmt, was, wie seine Mama und die Macherin mir schrieb, wohl die größte Ehre ist, die eine Puppe im Leben ihres Söhnes zuteil werden kann.

7 Agathe aus Frankreich ist seit vielen Jahren Leserin meines Blogs und leidenschaftliche Puppenmacherin. Sie war auch bei Lauras und meinem allerersten Filzkopfkurs dabei und hat für ihre neueste Puppe teilweise Schnittmuster von unserem Charlie Bo E-Book verwendet. „Die Füße sind wirklich schön und Sandalen und Schuhe halten gut“, schrieb sie mir dazu.

Wenn ihr auch einmal Teil dieser Reihe sein möchtet, schickt eure Bilder gern an hello@mariengold.net. Mein DIY-Angebot zur Herstellung von Puppen findet ihr in meinen Shops bei Dawanda und Etsy, mein Kursangebot hier, alle Beiträge dieser Reihe hier.